Schellackplatten reinigen
Schellackplatten zu reinigen gehört für mich seit vielen Jahren zum täglichen Umgang mit historischen Tonträgern. Seit den 1990er-Jahren sammle ich Schellackplatten, historische Grammophonplatten und andere Tonträger aus der Ära der 78 Umdrehungen pro Minute. In dieser Zeit sind viele tausend Platten durch meine Hände gegangen – von nahezu neuwertigen Exemplaren bis hin zu stark verschmutzten Dachboden- und Kellerfunden.
Im Laufe dieser langen Sammelzeit habe ich verschiedene Möglichkeiten kennengelernt, Schellackplatten zu reinigen. Heute verwende ich dafür ausschließlich eine Okki Nokki Plattenwaschmaschine. Der Grund dafür ist für mich vor allem die kontrollierte Arbeitsweise. Die Reinigungsflüssigkeit löst den Schmutz aus den Rillen, die Bürste unterstützt die Reinigung und anschließend wird die verschmutzte Flüssigkeit zusammen mit den gelösten Ablagerungen abgesaugt. Gerade bei historischen Schellackplatten ist dieser letzte Schritt für mich entscheidend. Der gelöste Schmutz soll nicht einfach auf der Platte zurückbleiben, sondern zusammen mit der Reinigungsflüssigkeit vollständig entfernt werden.
Warum Schellackplatten überhaupt gereinigt werden sollten
Schellackplatten waren Gebrauchsgegenstände. Sie wurden über Jahrzehnte abgespielt, angefasst, transportiert und häufig unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gelagert. Entsprechend findet man heute eine große Bandbreite an Verschmutzungen. Neben einfachem Staub können sich Fett, Nikotin und andere Ablagerungen in den Rillen festsetzen. Bei manchen Platten erkennt man außerdem Rückstände früherer Reinigungs- oder Pflegeversuche.
Eine Schellackplatte kann dabei äußerlich durchaus ordentlich aussehen und trotzdem stark verschmutzt sein. Gerade in den Rillen können sich Ablagerungen befinden, die beim Abspielen zu zusätzlichen Nebengeräuschen führen. Eine gründliche Reinigung kann solche Verschmutzungen entfernen und dadurch die Abtastung verbessern.
Was eine Reinigung allerdings nicht kann: Kratzer, Rillenverschleiß oder Beschädigungen des Schellackmaterials lassen sich dadurch nicht rückgängig machen. Deshalb geht es bei der Reinigung für mich nicht darum, eine alte Schellackplatte wieder „wie neu“ aussehen zu lassen. Ziel ist vielmehr, vorhandenen Schmutz möglichst gründlich zu entfernen und das historische Original dabei so wenig wie möglich zu belasten.
👉 Meine Reinigungsmethode
Bei der Reinigung meiner Schellackplatten verwende ich destilliertes Wasser in Verbindung mit L'Art du Son. Auf alkoholhaltige Reinigungsmittel verzichte ich.
Diese Vorgehensweise hat sich für mich über viele Jahre bewährt. Gerade bei historischen Tonträgern möchte ich möglichst wenig experimentieren und bei einer Methode bleiben, mit der ich zuverlässig und kontrolliert arbeiten kann. Die Reinigung erfolgt mit der Okki Nokki in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten: Reinigungsflüssigkeit auftragen, mit der Bürste verteilen und die gelöste Verschmutzung anschließend absaugen.
Je nach Zustand der Platte kann der Reinigungsvorgang wiederholt werden.
👉 Vor der Reinigung
Bevor eine Schellackplatte gereinigt wird, sehe ich sie mir zunächst genau an. Dabei achte ich auf Risse, Abplatzungen und andere Beschädigungen. Auch das Label wird kontrolliert. Gerade bei seltenen Pressungen können Katalognummer, Labelgestaltung und Beschriftung wichtige Informationen über die Herkunft und Ausgabe einer Platte liefern.
Ebenso wichtig ist die Art der Verschmutzung. Eine leicht verstaubte Platte benötigt eine andere Behandlung als ein stark verschmutztes Exemplar aus einem Keller- oder Dachbodenfund. Bei manchen Schellackplatten erkennt man Fett- oder Nikotinablagerungen, bei anderen alte Rückstände von früheren Pflegeversuchen. Deshalb behandle ich nicht jede Platte vollkommen identisch.
👉 Das Label schützen
Vor der Reinigung wird das Label mit der dafür vorgesehenen Abdeckung geschützt. Das empfindliche Papieretikett soll möglichst nicht mit der Reinigungsflüssigkeit in Kontakt kommen. Gerade bei historischen und seltenen Schellackplatten ist das für mich selbstverständlich. Das Label gehört zum Original und enthält häufig wichtige Informationen über Hersteller, Katalognummer, Interpret und Pressung.
👉 Schellackplatten mit der Okki Nokki reinigen
Nach der Vorbereitung wird die Reinigungsflüssigkeit (Zerstäuber) gleichmäßig auf der rotierenden Platte verteilt. Ich verwende dabei nur so viel Flüssigkeit, dass die Oberfläche ausreichend benetzt ist und die Reinigungsflüssigkeit in die Rillen gelangen kann. Anschließend wird die Flüssigkeit mit der Bürste über die Platte verteilt. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Druck auszuüben. Die Bürste soll die Reinigungsflüssigkeit in die Rillen bringen und festsitzende Verschmutzungen lösen. Bei stärker verschmutzten Platten lasse ich die Reinigungslösung etwas länger einwirken. Dabei achte ich unbedingt darauf, dass die Flüssigkeit nicht antrocknet.
Anschließend wird die Reinigungsflüssigkeit mit der Okki Nokki abgesaugt. Gerade diesen Vorgang halte ich für besonders wichtig: Die Flüssigkeit hat inzwischen Schmutz und Ablagerungen aufgenommen und wird nun zusammen mit diesen von der Platte entfernt.
👉 Stark verschmutzte Schellackplatten
Besonders bei alten Dachboden- und Kellerfunden kann eine Schellackplatte erheblich verschmutzt sein. Staub, Nikotin, Fett und andere Ablagerungen können sich über Jahrzehnte festsetzen. Bei manchen Exemplaren kommen zusätzlich Rückstände ungeeigneter früherer Pflegeversuche hinzu.
In solchen Fällen versuche ich nicht, die Platte mit größerem Druck oder aggressiveren Mitteln in einem einzigen Durchgang sauber zu bekommen. Stattdessen wiederhole ich die Reinigung bei Bedarf. Nach dem ersten Reinigungsgang lässt sich häufig bereits erkennen, welche Bereiche noch stärker verschmutzt sind. Ein weiterer kontrollierter Reinigungsvorgang kann dann deutlich mehr bewirken als eine aggressive Behandlung.
Für mich gilt deshalb auch bei der Schellackplatten-Reinigung: Lieber zweimal vorsichtig reinigen als einmal zu aggressiv.
👉 Warum ich auf Alkohol verzichte
Bei meinen Schellackplatten verwende ich keine alkoholhaltigen Reinigungsmittel. Ich möchte bei historischen Tonträgern möglichst kontrolliert arbeiten und keine unnötigen Experimente mit Lösungsmitteln durchführen. Meine Reinigung beschränkt sich deshalb auf destilliertes Wasser, L'Art du Son und die Okki Nokki. Diese einfache Vorgehensweise hat sich für mich über viele Jahre bewährt.
👉 Was eine Reinigung nicht entfernen kann
Auch eine gründliche Reinigung hat ihre Grenzen. Kratzer bleiben erhalten. Rillenverschleiß bleibt erhalten. Abplatzungen und andere Beschädigungen des Materials können durch eine Reinigung ebenfalls nicht repariert werden. Manchmal wird der tatsächliche Zustand einer Platte nach der Reinigung sogar deutlicher sichtbar. Das ist durchaus erwünscht.
Eine Reinigung soll den Zustand einer Schellackplatte nicht beschönigen. Sie soll Verschmutzungen entfernen und damit ermöglichen, das vorhandene Original möglichst unverfälscht zu beurteilen. Gerade für Sammler ist dieser Unterschied wichtig.
👉 Nach der Reinigung
Nach einer gründlichen Reinigung sollte eine Schellackplatte nicht wieder in eine alte, verschmutzte Innenhülle zurückgelegt werden. In solchen Hüllen befindet sich häufig jahrzehntealter Staub, der unmittelbar wieder auf die frisch gereinigte Platte gelangen kann.
Für mich gehört deshalb auch die saubere Aufbewahrung zur eigentlichen Reinigung. Eine gereinigte Platte sollte vollständig trocknen und anschließend in einer sauberen Innenhülle aufbewahrt werden.
Meine Reinigung in 10 Schritten
1. Schellackplatte kontrollieren
2. Auf Risse, Abplatzungen und Beschädigungen achten
3. Label schützen
4. Destilliertes Wasser und L'Art du Son vorbereiten
5. Reinigungsflüssigkeit (Zerstäuber) auftragen
6. Mit der Bürste gleichmäßig verteilen
7. Bei stärkerer Verschmutzung kontrolliert einwirken lassen
8. Darauf achten, dass die Flüssigkeit nicht antrocknet
9. Reinigungsflüssigkeit und gelösten Schmutz absaugen
10. Bei Bedarf wiederholen und anschließend sauber aufbewahren
Mein Fazit
Nach mehr als 30 Jahren mit Schellackplatten bin ich bei einer einfachen und für mich bewährten Methode geblieben. Ich reinige meine Schellackplatten mit der Okki Nokki, destilliertem Wasser und L'Art du Son. Auf alkoholhaltige Reinigungsmittel verzichte ich.
Entscheidend ist für mich nicht, eine historische Platte möglichst aggressiv zu reinigen. Viel wichtiger ist eine kontrollierte Vorgehensweise, bei der Verschmutzungen gelöst und anschließend vollständig entfernt werden. Gerade bei wertvollen und seltenen Schellackplatten sollte man deshalb nicht versuchen, jedes sichtbare Zeichen des Alters zu beseitigen. Gebrauchsspuren gehören zur Geschichte einer historischen Platte. Eine gründliche Reinigung soll diese Geschichte nicht verändern. Sie soll lediglich dafür sorgen, dass Staub, Fett und andere Ablagerungen entfernt werden und die Schellackplatte möglichst sauber und schonend für viele weitere Jahre erhalten bleibt.
Thomas Brühl
Schellackplatten-King Bochum
Über 30 Jahre Erfahrung mit originalen Schellackplatten
Aus Leidenschaft für 78-U/min-Platten seit den frühen 1990er Jahren
Keep on Rocking ... und denken Sie daran: Wer seine Schellackplatten liebt, lässt sie nicht im eigenen Dreck sitzen. Erst reinigen, dann rocken – die Nadel wird es Ihnen danken. 😉
